Wenn die Musik im Supermarkt jedes normale Gespräch verhindert, dann wird eben gebrüllt. Und wenn der Krach auf der Straße unerträglich wird, dann wird halt das Mikro ausgepackt.
Manchmal möchte ich eine Handvoll Kulis nehmen und die den Leuten in ihre Nasen und Münder stopfen (Gruß, Micha!), der Stadt den Saft abdrehen, damit alles mal für einen verdammten Moment lang ruhig ist.

Nur um zu wissen, dass Taipei den Krach braucht und ich ihn insgeheim genieße.
Ich begehre diese Stadt im gleichen Maße wie ich sie verfluche. Meine Hassliebe ist das eindeutigste und vielversprechendste Zeichen, dass ich endlich beginne in Taipei zu leben, es nicht nur zu besuchen. Genauso wie in Jena, Ashburn und Trier. An allen anderen Orten war ich entweder zu selten oder zu kurz als dass ich sie hätte hassen können. Und so beruhigt mich meine Zerrissenheit.

Ganz abgesehen davon, dass ich offensichtlich gerade die sentimentale Piste herunter brettere, scheint in Taipei die Zeit einen Schwung schneller zu vergehen als irgendwo sonst auf der Welt. Ich bin seit einem Monat hier und werde das Gefühl nicht los, dass man mich um mindestens 2 Wochen beschissen hat.
Wohin, bitteschön, ist denn die ganze Zeit verschwunden?
Ich bin mir sicher, dass Irgendjemand jeden einzelnen Tag einen gewaltigen Ruck an der Uhr dreht. Bestes Indiz ist die Tatsache, dass es hier schon um 18 Uhr stockfinster ist. Für euch bleibe ich dabei, diese Verschwörung aufzudecken.
Der Adler ist gelandet.
Drückers