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Tja,
ich habe Sonnenbrand. Und ihr? Naja, jedenfalls mal keinen Hautkrebs, schätze ich.
Das kuriose nur: die Freunde hier haben kein Bock auf eine gesunde Bräune. Deswegen sieht man im Sommer mehr Regenschirme als im Winter und statt Selbstbräuner 'Whitening cream' für die Haut im Kosmetikregal.
Das muss man nicht verstehen. Wobei ich allerdings auch alles andere nicht verstehe, ich bin sprichwörtlich 'lost in translation'. Englisch, Deutsch, langsam auch Chinesisch, dann aus Versehen auch mal Französisch und Spanisch. Die Welt ist grausam und gemein. Aber immerhin geb ich Deutsch Unterricht, und das nicht nur für eine Klasse, nein auch noch privat für 7 Mädels und einen armen Kerl. Im Gegenzug blamier ich mich mit meinen Chinesisch Kenntnissen. Dann passiert es ganz leicht, dass man statt "Entschuldigung bitte" "Küss mich!" sagt. Ich bin auf sämtliche Fälle vorbereitet.
Aber um die Leute hier zu verstehen bedarf es auch mehr als Sprachkenntnissen. Unsere Mentalitäten könnten unterschiedlicher nicht sein. Ich versuche gerade einen Weg zu finden, mich anzupassen ohne zu vergessen, wer ich bin. Selbstkontrolle ist das große Stichwort und bestimmt das halbe Leben hier. Dies ist allerdings mit meinen Idealen unvereinbar. Da könnte es durchaus noch krachen, zumal die Rolle der Frau immernoch klar von der männlichen Authorität getrennt ist. Aber bis jetzt sind alle noch höflich und applaudieren, wenn ich was sage.
Zum Abschluss noch eine kleine Anekdote um euch zu verdeutlichen, wie komplett durch den Wind ich hier teilweise auftrete:
Einmal am Tag kommt das Müllauto, in das man nun mal seinen ganzen Abfall abladen kann. Logisch. Um seine Beute anzulocken, lässt es verführerische Klänge über die Lautsprecher laufen. Ihr kennt die deutschen Eisautos und deren Musik? Klingt genauso. Den ersten Abend bin ich also freudestrahlend mit ein paar Münzen vor die Tür gerannt um mir Eis zu kaufen. Den zweiten Abend auch noch. Und dann hab ich es verstanden, warum statt dem Eiswagen nur so ein doofer Müllwagen vor mir stand.
Glückwunsch, du Doofi.
Ich wünsch euch was.
Kinners, ich bin als ganzes Stück in Taiwanesien angekommen. Solche Meisterleistungen liegen mir echt ganz gut.Trier, tanz ab! Hier kommt Taipei. Der Flug war jetzt nicht ganz das Gelbe vom Ei, aber einen Moment werde ich definitv mein Leben lang nicht mehr vergessen: der Ausblick, als wir den Kaukasus entlanggeflogen sind. Meinetwegen hätte ich auch da schon aussteigen können. Mir wäre nichts passiert.
Zurück vom Höhenflug auf den Boden der Tatsachen: Taipei und ich - wir könnten die Romanze des Jahrhunderts werden. Wir nähern uns gerade zaghaft einander an, aber es knistert schon gewaltig. Zugegebenermaßen... wir haben uns noch nicht auf eine gemeinsame Sprache geeinigt. Englisch, German... Chinesisch still to come. Also, wer mich hier reden hört, kann mir nur Leid tun. Meine Erscheinung gleicht momentan eher wandelndem Schwachsinn als einem menschlichen Geschöpf. Ich bekomme äußerst selten einen geraden Gedanken, weniger noch einen geraden Satz heraus. Spaß für ne Mark. Ich wohne in einem Wohnheim. Für ein halbes Jahr reicht es alle Male, aber es ist einfach nicht mein Zimmer. Fliesen halt - da muss ich brechen. Aber kann man ja gleich wieder wegwischen... Vorteil. Ernsthaft, ich habe mir schon überlegt, mir ein paar qm Wenge Parkett zu legen, erstmal alles weiß streichen und nicht popelgelbgrün, die Decke abzuhängen, die Möbel aus dem Fenster zu schmeißen und mir direkt neue zu bauen. Aber es gibt klügere Dinge, die ich machen könnte.Zum Beispiel essen: Ich tipp auf 25 Kilo mehr Annett wenn ich wiederkomme. Wetten können ab sofort abgeschlossen werden. Und um der häufigsten Frage gerecht zu werden: das Wetter. Tja, da habt ihr wohl gerade in Deutschland mal ziemlich in die Kacke gegriffen mit eurem Schnee, hm?! Gerade ist es aber auch noch ziemlich frisch hier mit 20°. Nur die Luftfeuchtigkeit: Himmel, Arsch und Zwirn! Die hat mich bei der Ankunft mal kurz aus den Latschen kippen lassen. So, das war mal ein Text. Fotos folgen demnächst. Vielleicht.Jeder, der sich angesprochen fühlt, wird hiermit einmal feste gedrückt. Bis "bald"!
Kinder, es ist soweit.
Hier kommt der erste Batzen Senf geflogen!
Wer von euch auch nur ansatzweise an Design interessiert ist, sollte sich folgende paar Sätze zu Gemüte führen.
Anlässlich der imm hab ich einen gesamten Sonntag in Köln verbracht um mich von neuen Entwicklungen und Ausbrüchen jungen Designs inspirieren, beziehungsweise verzaubern zu lassen.Eins sei erwähnt: die einzig nennenswerte Halle bei der imm ist die 'design talents'. Den Rest könnt ihr euch getrost bei einem Rundgang durch Möbelhaus Martin antun. Und auch nur, wenn es unbedingt nötig ist.
Ja, meine Güte, ich übertreibe gut und gerne. Aber die Klassiker kennen wir mittlerweile halbwegs.
Viel interessanter war daher das 'designers fair' Event im RheinTriadem, eine Möglichkeit für junge, aufstrebende Designer, ihren erbrachten Beitrag zum Weltfrieden vorzustellen.
Die Ideen sind oft originell, die Konzepte innovativ, das Design höchst ansprechend.
Zwei von den zig Ausstellern möchte ich euch hiermit nahelegen, jeweils mindestens ein Auge und Ohr drauf zu werfen:
Ein Berliner Design Büro, größtenteils tätig im Innenbereich und Produktgestaltung. Sofort bemerkt man diese unbegrenzte Liebe und Freude zum Detail und den Kontext zum Individuum. Ihre Ausstellung hat mich an mein Gewissen erinnert und mir deutlich ins Gesicht gebrüllt:
Fuck off limits!
RETTET DEN CHARAKTER!


Ein Absolvent der Hochschule, die mich gerade drillt. Das sind die berühmten Möbel, die man sieht und sich fragt, warum man nicht selber auf so eine Idee gekommen ist. Verdammt.
Der Reiz hat mich gepackt.
Wir sehen uns in ein paar Jahren auf der 'designers fair'!
Alles Gute!
Annett