Sonntag, 29. November 2009

Senf 10

Es ist Sonntag Morgen und es regnet nicht.
Das ist mal ein schöner Kontrast zu den letzten paar Tagen und Wochen.

Die Arbeit an der FH hat mich vollkommen für sich beansprucht und ich habe mich darauf eingelassen. Die kleinen Motoren sind am Rödeln. Sie laufen sehr gut, nur wissen sie noch nicht ganz, wohin. Aber auch das ist mal ein schöner Kontrast.

Lange habe ich kein einziges Wort gepostet. Das war mein eigener Fehl
er.
Als ich meiner letzten Senfschleuder den Titel "... denn nie wär ohne Abschied Wiedersehen erdacht" gegeben hatte, habe ich vergessen, dass ich diesen Satz immer wieder als Allererstes lesen würde, sobald ich die Seite anklicke.
Gefolgt von dem panischen Klick auf den ZURÜCK oder SCHLIEßEN Button, hat es mir immer wieder einen Blitz durch meine Eingeweide fahren lassen.
Taipei ist vorbei und das tut weh.

Ich weiß, dass mein Kopf die meiste Zeit anwesend ist, aber das halbe Herz hat eine Kette von Widerhaken verschluckt und spuckt sie nicht mehr aus.
Das muss sich ändern. Ich hol das Ding da raus. Deswegen besaufe ich mich gerade mit süßer, süffiger Arbeit.
Welt, geh weg, ich komme!

Man darf gespannt sein, ob das Prinzip greift.

Es gibt Vieles, Unmengen an Neuentdeckungen, faszinierende Bilder, Videos, Installationen, Wasauchimmers.
Aber dazu haben wir später noch Zeit. Viel mehr hat ein alter Bekannter meine Aufmerksamkeit auf sich zurückgezogen:

ParkeHarrison
ein Künstlerpaar, Robert und Shana.

Foto Installationen, Welten von der unseren entfernt, absolut dabei, erschreckend einsam und unbegreiflich leise.
Schon vor Jahren bin ich durch eine Ausstellung auf PH aufmerksam geworden. Eine Freundin hat von eben dieser ein Buch geschenkt bekommen und sich die Mühe gemacht, jedes einzelne Bild für mich einzuscannen und auf CD zu brennen.
Susanne... Danke!

Die damalige Fotoreihe hieß



Manchmal stöber ich ein wenig und schaue, was es Neues gibt. Es gibt fast nie Neues.
Eine Reihe toppt meiner Meinung nach aber noch den Architektenbruder, den kleinen Prinzen:



Ich weiß nie, ob ich lachen oder weinen, durchatmen oder innehalten soll. Tanzen oder still stehen? Zuhören oder brüllen? Was auch immer ich tun würde, ich hätte nichts davon. Das sind die seltenen Bilder, die mich fassungslos machen.

Schaut Euch mal den Link an, vielleicht gefallen Euch die Bilder auch ein wenig.


Und weil mir gerade danach ist, lasse ich Euch an dem Lied teilhaben, das mir hier just in diesem Moment entgegenweht:
MODEST MOUSE mit WHALE SONG

"Whale Song" for Modest Mouse from Bent Image Lab on Vimeo.


Einen wunderschönen ersten Advent!
Alles Liebe,
Annett

Donnerstag, 3. September 2009

Senf 9: ... denn nie wär ohne Abschied Wiedersehen erdacht.


Mir tut mein Herz weh.


Ich habe letzte Nacht geträumt, mir ramme jemand eine Häkelnadel durch das Herz, die sich mit ihrem kleinen Widerhaken quer durch das schlagende Wirrwarr bohrt.
Tatsächlich konnte ich vor Schmerzen nach dem Aufwachen drei unendliche Minuten lang nicht einmal die kleinste Bewegung ausführen. Das kleine Ding da, das Knäuel, das mich am Leben halten soll, hat mich in die Knie gezwungen. Mir scheint, das ist seine Rache für die letzten paar Tage. Das kann nicht mein Herz gewesen sein, das war ein fieser Doppelgänger, eine Atrappe.

Seit drei Tagen befinde ich mich wieder auf deutschem Boden.
Mein Herz allerdings hat den Weg noch lange nicht bewältigt, bestenfalls krallt es sich noch an den Pfeilern des Taoyuan Airports fest. Aber sehr viel weiter ist es noch nicht gekommen.
Der Abschied von Taipei und Allem was damit verbunden ist war eine harte Beziehungsprobe für uns beide und ich hoffe, dass wir das Problem schnellstmöglich in den Griff bekommen werden.

Eine Freundin hat mir heute von einem Zitat erzählt, indem es heisst, dass die beste Art und Weise voranzukommen, das Gehen ist. Denn fast alle anderen Möglichkeiten würden eine Geschwindigkeit erreichen, mit der unser Herz nicht mitkommen kann.
So sitze ich hier in meiner Heimatstadt und warte, dass mein Herz nachkommt. Ich hoffe, es beeilt sich ein wenig.

Taipei und ein weiteres Leben. Taipei und neue Freunde. Taipei hat mir das Herz geraubt. Taipei, blöder Arsch von einer Stadt! Das ist doch frech. Es sind immer die Guten, die dir das Herz brechen.

Aber was nützt der Trübsinn. Ich bin wieder da, wo ich mich Niemanden vorstellen muss. Eine sehr willkommene Erleichterung.
Mein Limit ist erreicht. Für dieses Jahr habe ich genug neue Menschen kennengelernt. Vorerst muss ich mein Desinteresse nicht mehr verbergen und die Scheinidentitäten bleiben eingesperrt. Bunny aus der Schweiz, Studium der Pornographiewissenschaften is gone.
Umso mehr freue ich mich, endlich wieder Zeit mit meiner Familie und alten Freunden verbringen zu dürfen. Die können wenigstens mit meinem Desinteresse umgehen. Und haben Anni lieber als Bunny.

Ich freue mich, wieder "da" zu sein, aber bitte habt Verständnis, falls ich noch ein wenig matt und glanzlos erscheine. Mein Herz ist bald wieder da und dann können wir uns gegenseitig auf Hochglanz polieren.
Won't you shine, shine on...

Bald.

Montag, 8. Juni 2009

Senf 8


Entschuldigt die Verspätung, Kinners,

aber der Grund, warum ich so lange nicht geschrieben habe ist, dass es keinen Grund zum Schreiben gab.

Gerade habe ich es mir mal mit einer Tasse Tee und meinem Fieber gemütlich gemacht und reflektiere die letzten paar Wochen.
Jupp, einmal im Jahr steht die obligatorische Fieber Woche an. Dann bin ich irgendwo zwischen Delirium und Koma.
Also entschuldigt mich, wenn die nächsten paar Zeilen ein Stück weit zu wirr werden.
Aber das seid ihr ja eh gewohnt, von daher...

Ich glaube, ich habe letztes Wochenende das atemberaubendste, einzigartigste und überhaupt schönste Fleckchen Erde entdeckt, den Yeliu Nationalpark im Norden Taiwans, vielleicht eine Stunde von Taipei entfernt.

Auf einer minikleinen
furzigen Halbinsel ist der Zufall durchgeknallt und hat eine Unmenge von absolut hinreißender, märchenhafter und surrealer Naturbombem explodieren lassen.
Man findet hier ganz bizarre Felsformationen, die unbegrü
ndet berühmteste trägt den Namen "Queen's Head", da sie aus einem bestimmten Blickwinkel tatsächlich wie das Profil der Nofretete aussieht. Und was mich ganz besonders fasziniert, ist der Umstand, dass diese Formation nur noch 10, vielleicht 15 Jahre bestehen wird, da der Hals immer dünner wird und irgendwann, besonders nach Erdbeben die Last des Kopfes nicht mehr tragen kann.
Da hat es Millionen von Jahren gebraucht, diese Form zu kreiiren und es könnte bald schon eine ganz andere, vielleicht wieder umso interessantere Gestalt annehmen. Ich liebe die Vergänglichkeit.

Aber auf Yeliu gibt es noch so viel mehr zu sehen, alleine die Farben sind unbeschreiblich, die Küsten königlich und die verschiedenen Aussichten schlichtweg umwerfend.

Ich habe
keine eig
enen Bilder für euch, da ich meiner Natur nach mal wieder meine Kamera geschrottet habe. Ein Hoch auf die Technik. Trotzdem hier ein kleiner Link und ein paar geklaute Bilder, nur damit ihr Euch in etwa vorstellen könnt, was mich so ungemein beeindruckt hat.

Und dann noch etwas, worüber ich mich stündlich beschweren könnte und es auch mache:
Fotoapparate.

JEDER hat IMMER eine Kamera im Gesicht. ÜBERALL.
Ich sehe mehr Linsen als Gesichter, vor allem wenn ich in der Natur bin.
Ich habe mich damit abgefunden, hier in der ganzen Zeit kein einziges Mal alleine zu sein, immer Leute und einen gewissen Lautstärkepegel von Gebrabbel um mich zu haben.
Aber was mir wirklich den letzten Nerv rauben wird, ist der Fake Sound des digitalen Auslösers einer Kamera.

Es scheint uns enorm wichtig zu sein Fotos zu machen. Für die gesammelte Verwandtschaft, für die Freunde, für das Alter Ego im Internet, die Nachbarn, die Haustiere,... Wir müssen ja zeigen, wo wir gewesen sind...oder beweisen, dass wir da waren.
Dann kommt nämlich hinzu, dass immer jemand vor der Linse stehen muss, immer Zähne fletschend und optional mit Peace Gruß oder Bunnyohren. Und es muss schnell gehen, wir haben ja keine Zeit. Also lieber noch fix ein Foto machen bevor wir gehen müssen. Die Qualität der Bilder ist dabei natürlich wirklich egal. Und da wir alle unsere eigenen 1000 Bilder schießen, gibt es auch keine Postkarten mehr. Die Postkartenindustrie in Nordtaiwan stirbt aus, ich schwöre es.

Ich frage mich, ob die Leute sich überhaupt mit eigener Kraft erinnern können, an welchen Orten sie waren oder ob sie dabei erst ihr digitales Gedächtnis anschalten müssen.

Ich meine, warum nehmen wir nicht einfach mal die Kameras aus dem Gesicht? Sind die eigenen Erinnerungen nicht viel schöner, individueller und einzigartiger als eine Ansammlung von Pixeln?

Versteht das nicht falsch: ich bin extrem begeisterungsfähig, was gute Fotographie angeht. Aber nur ein Foto zu machen, um ein Bild zu haben... das geht auch anders.
Da muss die Magie eines Moments nicht mit dem Auslöser der Kamera geköpft werden.


Auch als ich vor einiger Zeit zu einem wirklich sehr berühmten und wunderschönen Sonnenaufgang im Alishan Gebirge in Zentral Taiwan gereist bin, ist mir trotz dem kleinen Wunder der Natur fast der Kragen geplatzt.
Ja, es kann einem die Stimmung versauen, wenn du dir den Sonnenaufgang mit mindestens 1500 anderen Menschen (kein Witz) und 2000 gleichzeitig klickenden Kameras teilen musst. Und dazu noch der nette Herr, der sich die Freiheit nimmt zu dieser Uhrzeit ein paar Geschichten über Gott und die Welt übers Megaphon zu grölen. Guten Morgen Sonnenschein, es könnte so romantisch sein!

Da hilft nur eins: der Retter in der Not, der Held der Moderne, der Überflieger der Technik -

mein MP3 Player!

In letzter Sekunde konnte ich meine explosionsgefährdete Stimmung mit einem gekonnten Hieb umwuchten. Und so kam die Universalmedizin zum Einsatz, auch "In Rainbows" genannt, Radioheads aktueller Faustschlag ins Herz. Zu dem Lied "Reckoner" vielleicht demnächst ein wenig mehr.
Hier erstmal ein Schmankerl, dass ihr euch bei Interesse zu Gemüte führen könnt: der Auftritt von Radiohead bei den diesjährigen Grammys mit dem Kracher "15 Step" (wer weiß eigentlich noch nicht, dass 15 meine Glückszahl ist?!). Holen die sich mal eben 'ne Marching Band auf die Bühne.





So, jetzt werd ich mir erst mal den Abgang ins Bett genehmigen und hoffentlich baldigst mit kühlerem Kopf mal wieder schreiben.


Bis dahin,

alles erdenklich Gute und ne dicke Umarmung, für die, die eine wollen oder gebrauchen können,


Annett

Mittwoch, 22. April 2009

Senf 7: Gucci und die Süßigkeiten

Ich habe wirklich null Ahnung von Mode, Parfums und dieser ganzen Welt, aber ich steh doch ab und an wie ein kleines Kind vorm Fashion Design Süßigkeitenladen und drück mir meinen Zinken an der Fensterscheibe platt. Und dann kommt ab und an die Tante hinter der Theke hervor, in unserem Fall vor ein paar Jahren wohl eher Tom Ford und andere Kameraden, und stopft mir ein besonders süßes Bonbon mit den Worten "Und jetzt zisch dahin ab, wo du hergekommen bist" in den Rachen. Aber heimlich komm ich immer wieder und es wundert mich, dass meine Nase noch 3D ist.

Und über die nächsten beiden Pralinen habe ich mich ganz besonders gefreut, da diese aus einer Zusammenarbeit mit einem anderen Süßwarenladen entstanden sind - der Musikvideo- und Filmbranche. Und da kommen auch schon unsere Meister David Lynch und Chris Cunningham und pappen nen ordentlichen Schwenkerl Sahne auf die Gucci-Duft-Torte. Wenn man ein paar Filme und Videos der beiden Regisseure kennt, kommen einem diese Videos eher unheimlich vor. Das könnten dann auch gut und gerne Intros für einen Horrorfilm sein.
Vor allem, wenn man auf lautlos schaltet.



Gucci
Gucci
[David Lynch]




Flora
Gucci
[Chris Cunningham]





saugeil


Und meiner Meinung nach ein paar der Besten, die so große Luxus Fashion Labels heute zu bieten haben
.

Schöne Woche noch, auf den Weltfrieden.
Anniii




Dienstag, 14. April 2009

Senf 6

Die alte Deli hat sich ne neue Tonne geleistet. Hat dem Wohnheim "Auf Nimmerwiedersehen" mit zwei lachenden Augen hinterhergebrüllt. Und das Allerbeste: Fake Parkett im Zimmer! Nix mit Fliesen, die haben eingepackt und sind nach Hause gerannt. 3er WG, alles Weibers.
Sprache: Englisch, denn mit China-nesisch will es vorne und hinten nicht klappen.
Verschiedene Anläufe mit diversen 'Privatlehrern' sind bisher immer nach spätestens 3 Sitzungen eher nach hinten losgegangen. Schade Schokolade, aber ich geb die Hoffnung nicht auf.
Nur
leider macht man sich dadurch so abhängig von allen Anderen, dass es einem den Atem raubt.

Taxi fahren, zum Beispiel, läuft immer so ab:


1. einen Wildfremden anlabern

2. diesen ausqu
etschen, ob er denn Englisch kann
3. ihm erklären, wo man hin will, notfalls Hände
und Füße einsetzen
4. Taxi anhalten

5. jetzt den Wildfremden mit dem Taxifa
hrer diskutieren lassen
6. versichern, dass alle drei Parteien das gleiche Ziel meinen

7. ins Taxi knallen und gemütlich machen

8. nicht einschlafen
9. wenn Taxifahrer nach links oder rechts fragt, einfach "YO!" antworten (heißt 'rechts', 'links' kann ich mir nicht merken)
10. bezahlen (versteh sogar manchmal den Preis mittlerweile, wenn nicht, einfach Geldschein hinhalten)

11. "xie xie" brüllen und aussteigen
12. siehe 1. und 2.

13. fragen, wo man hier bitteschön gelan
det ist
14. notfalls ab Punkt 3 weitermachen

...

Und wenn man kein Bock und Geld mehr hat, dann F
üße auspacken und laufen. Denn es lohnt sich. Und damit zu der Beschäftigung, die mich manchmal tagelang an der Leine hält. In Taipei lassen sich ganz bezaubernde kleine Shops finden, zwei davon werde ich hier mal eben verlinken, damit ihr die euch bei eurem nächsten, höchstwahrscheinlich sehr baldigem Taipei-Trip, mal genauer anschauen könnt.
Oder so.

Bi
s dahin lohnt es sich allemale, die Webseiten beider Läden unter die Lupe zu nehmen. Über Kommentare freuen sich Beide mit Sicherheit, nur, Kinder: Bitte vergesst nicht, dass Deutsch keine Weltsprache ist. Also, entweder Englisch rauskramen oder schnell Chinesisch lernen. Ist ja ganz einfach... hrmkpf.




erstens:
http://www.wretch.cc/blog/CsMamio
[Countess Mamio]



Ich konnte es mir bisher noch nicht verkneifen, ohne finanzielle Verluste aus dem Laden zu flüchten... har har. Die Produkte sind allesamt Original Designs und oft in Handarbeit gefertigt. Der Großteil des Bestandes sind ein paar deftige Accesoires und eine Auswahl an würzigen Shirts. Sehr geschmackvoll. Und dufte. Phil, der Besitzer, unterstreicht des Weiteren immer wieder seinen Wunsch nach einem von China unabhängigen Taiwan. Yeah.




und zweitens: www.petshopsgirl.com

[AMPM]



80er Granatenschwarte unweit von Countess Mamio. Keine Angst vor gar nix. Egal, was für ne Farbe, was für ein Muster, welcher Print, welcher Schnitt und vor allem, welcher MIXX... Joe (siehe Bilder) und Andy roggen das Mischbrot. Und den Roll. Hammer sind vor allem sämtliche Leggings. Und der Schmuck. Und... Und... Und... Und der Laden an sich... unbedingt mal homepage anschauen.
Let's dänce, bäbe.




Ok, genug geschwärmt, ich wende mich mal wieder dem Ernst des Lebens zu.
Schlafen.
Denn ohne versteh ich keinen Spaß.


BYE BYE, LOVE

Montag, 16. März 2009

Senf 5: Runterreißen. Mitreißen.

Taiwanesen sind scheiße laut!
Wenn die Musik im Supermarkt jedes normale Gespräch verhindert, dann wird eben gebrüllt.
Und wenn der Krach auf der Straße unerträglich wird, dann wird halt das Mikro ausgepackt.
Manchmal möchte ich eine Handvoll Kulis nehmen und die den L
euten in ihre Nasen und Münder stopfen (Gruß, Micha!), der Stadt den Saft abdrehen, damit alles mal für einen verdammten Moment lang ruhig ist.




Nur um zu wissen, dass Taipei den Krach braucht und ich ihn insgeheim genieße.
Ich begehre diese Stadt im gleichen Maße wie ich sie verfluche. Meine Hassliebe ist das eindeutigste und vielversprechendste Zeichen, dass ich endlich beginne in Taipei zu leben, es nicht nur zu besuchen. Genauso wie in Jena, Ashburn und Trier. An allen anderen Orten war ich entweder zu selten oder zu kurz als dass ich sie hätte hassen können. Und so beruhigt mich meine Zerrissenheit.




Ganz abgesehen davon, dass ich offensichtlich gerade die sentimentale Piste herunter brettere, scheint in Taipei die Zeit einen Schwung schneller zu vergehen als irgendwo sonst auf der Welt.
Ich bin seit einem Monat hier und werde das Gefühl nicht los, dass man mich um mindestens 2 Wochen beschissen hat.
Wohin, bitteschön, ist denn die ganze Zeit verschwunden?

Ich bin mir sicher, dass Irgendjemand jeden einzelnen Tag einen gewaltigen Ruck an der Uhr dreht. Bestes Indiz ist die Tatsache, dass es hier schon um 18 Uhr stockfinster ist. Für euch bleibe ich dabei, diese Verschwörung aufzudecken.
Der Adler ist gelandet.



Drückers

Sonntag, 22. Februar 2009

Senf 4




Tja,

ich habe Sonnenbrand. Und ihr? Naja, jedenfalls mal keinen Hautkrebs, schätze ich.

Das kuriose nur: die Freunde hier haben kein Bock auf eine gesunde Bräune.
Deswegen sieht man im Sommer mehr Regenschirme als im Winter und
statt Selbstbräuner 'Whitening cream' für die Haut im Kosmetikregal.

Das muss man nicht verstehen. Wobei ich allerdings auch alles andere nicht verstehe, ich bin sprichwörtlich 'lost in translation'.
Englisch, Deutsch, langsam auch Chinesisch, dann aus Versehen auch mal Französisch und Spanisch. Die Welt ist grausam und gemein. Aber immerhin geb ich Deutsch Unterricht, und das nicht nur für eine Klasse, nein auch noch privat für 7 Mädels und einen armen Kerl. Im Gegenzug blamier ich mich mit meinen Chinesisch Kenntnissen. Dann passiert es ganz leicht, dass man statt "Entschuldigung bitte" "Küss m
ich!" sagt. Ich bin auf sämtliche Fälle vorbereitet.

Aber um die Leute hier zu verstehen bedarf es auch mehr als Sprachkenntnissen. Unsere Mentalitäten könnten unterschiedlicher nicht sein.
Ich versuche gerade einen Weg zu finden, mich anzupassen ohne zu vergessen, wer ich bin. Selbstkontrolle ist das große Stichwort und bestimmt das halbe Leben hier. Dies ist allerdings mit meinen Idealen unver
einbar. Da könnte es durchaus noch krachen, zumal die Rolle der Frau immernoch klar von der männlichen Authorität getrennt ist. Aber bis jetzt sind alle noch höflich und applaudieren, wenn ich was sage.


Zum Abschluss noch eine kleine Anekdote um euch zu verdeutlichen, wie komplett durch den Wind ich hier teilweise auftrete:

Einmal am Tag kommt das Müllauto, in das man nun mal seinen ganzen Abfall abladen kann. Logisch. Um seine Beute anzulocken, lässt es verführerische Klänge über die Lautsprecher laufen. Ihr kennt die deutschen Eisautos und deren Musik? Klingt genauso. Den ersten Abend bin ich also freudestrahlend mit ein paar Münzen vor die Tür gerannt um mir Eis zu kaufen. Den zweiten Abend auch noch. Und dann hab ich es verstanden, warum statt dem Eiswagen nur so ein doofer Müllwagen vor mir stand.

Glückwunsch, du Doofi.


Ich wünsch euch was.

Dienstag, 17. Februar 2009

Senf 3

Kinners,

ich bin als ganzes Stück in Taiwanesien angekommen. Solche Meisterleistungen liegen mir echt ganz gut.

Trier, tanz ab! Hier kommt Taipei.

Der Flug war jetzt nicht ganz das Gelbe vom Ei, aber einen Moment werde ich definitv mein Leben lang nicht mehr vergessen: der Ausblick, als wir den Kaukasus entlanggeflogen sind. Meinetwegen hätte ich auch da schon aussteigen können. Mir wäre nichts passiert.






Zurück vom Höhenflug auf den Boden der Tatsachen:

Taipei und ich - wir könnten die Romanze des Jahrhunderts werden.
Wir nähern uns gerade zaghaft einander an, aber es knistert schon gewaltig.

Zugegebenermaßen... wir haben uns noch nicht auf eine gemeinsame Sprache geeinigt. Englisch, German... Chinesisch still to come. Also, wer mich hier reden hört, kann mir nur Leid tun. Meine Erscheinung gleicht momentan eher wandelndem Schwachsinn als einem menschlichen Geschöpf. Ich bekomme äußerst selten einen geraden Gedanken, weniger noch einen geraden Satz heraus. Spaß für ne Mark.

Ich wohne in einem Wohnheim. Für ein halbes Jahr reicht es alle Male, aber es ist einfach nicht mein Zimmer. Fliesen halt - da muss ich brechen. Aber kann man ja gleich wieder wegwischen... Vorteil.
Ernsthaft, ich habe mir schon überlegt, mir ein paar qm Wenge Parkett zu legen, erstmal alles weiß streichen und nicht popelgelbgrün, die Decke abzuhängen, die Möbel aus dem Fenster zu schmeißen und mir direkt neue zu bauen. Aber es gibt klügere Dinge, die ich machen könnte.

Zum Beispiel essen:
Ich tipp auf 25 Kilo mehr Annett wenn ich wiederkomme. Wetten können ab sofort abgeschlossen werden.

Und um der häufigsten Frage gerecht zu werden: das Wetter. Tja, da habt ihr wohl gerade in Deutschland mal ziemlich in die Kacke gegriffen mit eurem Schnee, hm?!
Gerade ist es aber auch noch ziemlich frisch hier mit 20°.
Nur die Luftfeuchtigkeit: Himmel, Arsch und Zwirn! Die hat mich bei der Ankunft mal kurz aus den Latschen kippen lassen.

So, das war mal ein Text. Fotos folgen demnächst. Vielleicht.

Jeder, der sich angesprochen fühlt, wird hiermit einmal feste gedrückt.


Bis "bald"!

Montag, 2. Februar 2009

Senf 2

Kinder, es ist soweit.

Hier kommt der erste Batzen Senf geflogen!

Wer von euch auch nur ansatzweise an Design interessiert ist, sollte sich folgende paar Sätze zu Gemüte führen.


Anlässlich der imm hab ich einen gesamten Sonntag in Köln verbracht um mich von neuen Entwicklungen und Ausbrüchen jungen Designs inspirieren, beziehungsweise verzaubern zu lassen.

Eins sei erwähnt: die einzig nennenswerte Halle bei der imm ist die 'design talents'. Den Rest könnt ihr euch getrost bei einem Rundgang durch Möbelhaus Martin antun. Und auch nur, wenn es unbedingt nötig ist.

Ja, meine Güte, ich übertreibe gut und gerne. Aber die Klassiker kennen wir mittlerweile halbwegs.

Viel interessanter war daher das 'designers fair' Event im RheinTriadem, eine Möglichkeit für junge, aufstrebende Designer, ihren erbrachten Beitrag zum Weltfrieden vorzustellen.
Die Ideen sind oft originell, die Konzepte innovativ, das Design höchst ansprechend.


Zwei von den zig Ausstellern möchte ich euch hiermit nahelegen, jeweils mindestens ein Auge und Ohr drauf zu werfen:


erstens: http://www.llotllov.de/
llotlov

Ein Berliner Design Büro, größtenteils tätig im Innenbereich und Produktgestaltung. Sofort bemerkt man diese unbegrenzte Liebe und Freude zum Detail und den Kontext zum Individuum. Ihre Ausstellung hat mich an mein Gewissen erinnert und mir deutlich ins Gesicht gebrüllt:

Fuck off limits!
RETTET DEN CHARAKTER!





und zweitens: http://www.carrothead.eu/
carrothead


Ein Absolvent der Hochschule, die mich gerade drillt. Das sind die berühmten Möbel, die man sieht und sich fragt, warum man nicht selber auf so eine Idee gekommen ist. Verdammt.
Der Reiz hat mich gepackt.



Wir sehen uns in ein paar Jahren auf der 'designers fair'!

Alles Gute!
Annett


Dienstag, 20. Januar 2009

Senf 1

Freunde,

ab sofort werdet ihr hier je nach Gemüt geballte Ladungen Senf vorfinden können, die ich dieser Welt entgegenschmettern werde.

Gleichzeitig ist dieser Blog denen gewidmet, denen ich meine Neuentdeckungen und Bewegungen weder verschweigen will noch kann
.
Gerade jetzt, wo Taiwan mit brüllenden Fäusten und hämmernder Stimme an meine Tür klopft, soll diese Seite dienen, euch ein wenig auf den neuesten Stand zu halten, was meine Herrlichkeit betrifft.

Im Grunde genommen ist es eine selbstgefällige, euch ach so verhasste Kettenmail.
Nur dürft ihr nun selbst entscheiden, sie anzunehmen oder nicht.

Zögert nicht, auch euren Senf dazuzugeben. Wir sind doch alle größtenteils einfach nur ein paar ziemlich liebenswerte Klugscheißer.

Mit ganzem Herzen
Annett